Sterben heisst loslassen

Geschrieben von christina.

Sterben heisst loslassen
Prolog

Der von mir verfasste Text zum Sterben/Tod beruht auf meinem persönlichen spirituellen Glauben, darin sind meine Gedanken und Erlebnisse jeglicher Art festgehalten. Er ist selbstverständlich ohne Gewähr, ich will keiner auf die Füsse treten und will weder besserwisserisch erscheinen noch irgend jemanden dazu bewegen, dasselbe zu denken oder zu glauben wie ich. Die weibliche Bezugsform gilt selbstverständlich auch für das männliche Geschlecht.

Sterben heisst loslassen und zwar für alle Beteiligten. Diejenige, welche die Lebenslektion in ihrem menschlichen Körper gelernt hat und in die Anderswelt - oder besser ausgedrückt - die Heimat zurückkehren darf, hat trotz allem die Aufgabe, ihren Körper zu verlassen und ihn hier auf diesem Planeten als leere Hülle zurück zu lassen. Was unter Umständen eine sehr grosse Anstrengung ist. Es ist ein loslassen des Transportmittels, an das sich eine Seele während ihrer Erdenzeit gewöhnt hat. Die Menschen und Seelen, die hier auf der Erde zurück bleiben und evtl. die verstorbene Seele noch einen kurzen Weg begleiten können/dürfen, haben die ausserordentliche Aufgabe, all ihr Wissen und Können in das anderweitige Loslassen zu stecken. Nämlich dieses, die Seele auch wirklich gehen zu lassen. Zu akzeptieren, dass es genau so wie es passiert ist richtig ist. Nicht das Alter eines Menschen bestimmt dessen Lebensspanne sondern die Zeit zwischen Geburt und Tod (wie das die grosse Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross so schön formuliert).

Obwohl ich weiss, dass ich - wenn ich einmal mein Transportmittel verlassen habe - keine Ängste mehr haben muss wie ich sie als Mensch erlebe (schlicht und einfach weil es nicht mehr nötig ist sich um Essen, Trinken, Kleider, Geld etc. zu kümmern) und deshalb für mich der Tod eine wunderschöne Angelegenheit ist, bin ich traurig, wenn jemand stirbt, den ich kenne. Ausserordentlich traurig, wenn es sich dabei um jemand mir sehr Nahestehendes handelt. Diejenige die abgereist ist wird nie mehr in der Form wie ich sie kenne zu mir zurück kehren, ich werde z.B. nie mehr das Strahlen meiner Grossmutter sehen, ihre Augen sehen oder ihre trockenen Hände und ihre wunderbar weiche Haut fühlen. Von ihr hören „zuerst die Arbeit dann das Vergnügen“, ihre bestimmte, praktische und effiziente Art erleben. So ergeht es mir mit vielen Verstorbenen, die ich gekannt habe und die mir nahe waren. Ich weine um diese Menschen oder Tiere an denen mein Herz hing, wohlwissend, dass ich sie – sobald die Zeit gekommen ist – entweder auf einer Reise zu meinem Kraftpunkt treffen kann oder allerspätestens dann, wenn auch meine Schulstunde hier zu Ende geht. Tränen von uns sind kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Art Respekt vor derjenigen, die ihr Ziel schon erreicht hat. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass für mich Sterben und Tod nicht mit negativen Dingen behaftet sind, ich glaube daran, dass meine Zeit hier auf Erden in meinem von mir gewählten Transportmittel in der Zeitrechnung der Anderswelt höchstens ein sekundenlanger Ausflug ist, um in meinem spirituellen Wachsen das Nötige zu lernen. Ich bin auch davon überzeugt, dass ich alles (und das meine ich wortwörtlich) was ich hier erlebe, mir vorher ganz genau vorgenommen habe. Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit habe ich im allgemeinen Übermut der Leichtigkeit und Fröhlichkeit der Anderswelt mir damals sehr viel mehr vorgenommen, als ich lernen könnte. Der Lehrplan wurde mir aber bestimmt in weiser Voraussicht von meinen Begleiterinnen drüben nochmals plausibel „hergerichtet“ und in Zusammenarbeit auf ein Mass des erträglichen „zurechtgestutzt“. Ich habe meine Begleiter pausenlos um mich herum, ich kann sie fragen, ich weiss mittlerweile sogar, warum ich eigentlich hier bin und was ich zu lernen habe. Zumindest was jetzt gerade aktuell ist. Dazu gehören „geduldig sein“, „loslassen“ und das sind nur die grössten Aufgaben die ich mir vorgenommen habe. Alles weitere wird sich im Laufe meines Erdenlebens noch zeigen. Die meisten von uns (mich selbstverständlich eingeschlossen) gehen viel zu sorglos mit der äusserst kurzen Zeit hier auf Erden um. Wir scheren uns meistens keine Minute darum, wie wir leben, weil wir denken, dass unser Leben so ist wie es ist. Die meisten von uns schieben unangenehme Dinge vor sich her. Ich schob z.B. harte Lebenslektionen so lange vor mir her, bis ich sie lernen MUSSTE ob ich wollte oder nicht, und wie schon meine Urgrossmutter zu meiner Mutter sagte „Kind, wenn du etwas im Leben scheust und es vor dir hin schiebst, wird es dich immer wieder einholen, jedesmal stärker bis du es unter grossen Schmerzen lernen musst“. Womit sie absolut recht behalten hat. Sterben heisst loslassen, eine grosse Herausforderung für uns Menschen, eine Lebenslektion, die jede einzelne von uns lernen muss, ob sie will oder nicht. Der Tod erreicht uns alle, wir können vor ihm davon rennen oder uns ihm stellen, zum richtigen Zeitpunkt unseres Menschenlebens werden wir auf seinem Regenbogen in die Heimat zurück reisen und uns danach bestimmt kugelig lachen, was wir uns hier für Sorgen gemacht haben. Wir werden aber auch sehen und verstehen und dankbar dafür sein, dass wir ein Leben als Mensch haben führen dürfen.