Winterbräuche

Geschrieben von schamanca.

Winter- und Weih-Nacht-(s)Bräuche wie ich sie noch kenne:

Mittwinter - die längste Nacht und der kürzeste Tag. Das Licht wird neu geboren aus dem Bauch der dunklen Mutter Erde, durch das sich die Göttin und ihr Heros als leuchtendes Kind selbst gebiert. Diese Zeit ist der Tag der Wintersonnwende und die Geburt des Lichtes, der 21. oder 22.12.


Ab 25.12. Wird es jeden zweiten Tag um eine Minute früher hell und um eine Minute später dunkel.

Wir können nach Samhain wieder das erste Licht in uns, in unseren Räumen anzünden.



Am 13.12. wird das Fest der Lichter, das Lucia oder Luzia Fest, besonders in Schweden und den nördlichen Ländern, gefeiert. Junge Frauen, in weißen Kleidern, mit rotem Gürtel und einer Lichterkrone aus (meist) 13 Kerzen auf dem Kopf gehen durch jedes Haus im Dorf, der Stadt, damit jede Familie eine Lucia (Licht) hat. Luc oder Lux, der lateinische Name für Licht. Luciafrauen sind Lichtbringerinnen, da in Skandinavien die Geburt des Lichtes ein besonderes Fest ist, in der langen Winterdunkelheit, wo es nie richtig hell wird in dieser Zeit, je näher wir dem Nordpol kommen.

Es gibt noch viel mehr Bräuche rund um diese Zeit, die ich Euch hier erzählen möchte.

De Beginn der dunklen Zeit ist Samhain, in der Nacht vom 31.10. Auf den 1.11. beginnt die wilde Jagd in der keltischen Mythologie. Die Götter und Geister rasen über die Erde und nehmen alles mit, was nicht mehr zum Leben gehört.



Mit einem Wagen, mal gezogen von Katze oder Hunden, jede Kultur hat ihre eigenen Tiere dafür, zieht die Percht (Hulda oder auch Holda, Holla, Holle, Hel) ab dem 24.12. über den Himmel.

Ihre Aufgabe ist es, die Seelen der Toten des vergangen Jahres endgültig heimzuholen in den Kessel der Wiedergeburt. Sie reinigt die Erde von allem, was nicht mehr in‘s Leben gehört


In der Christianisierung wurde daraus ein Schreckgespenst, mit dem man Kinder besonders gerne Angst machte, dass sie sie holen käme, wenn sie nicht artig sind. In Ihrem Gefolge die wilde Schar, die wilden Gesellen, die sich im Knecht Ruprecht oder im österreichischen Krampus wiederfinden. Hier finden wir den Nikolaus und den Weihnachtsmann wieder.

Auf Mittwinter folgt in der Nacht vom 24.12. auf den 25.12. die Weihenacht oder Mütternacht. Ab dieser Zeit, bis zum 6.1. des darauffolgenden Jahres sollen Hausfrauen keine schwere Arbeit verrichten, sonst holt sie ebenfalls die Percht, zumindest schlägt sie ihnen mit der Rute den Buckel krumm. Sie sollen ausruhen und Kräfte sammeln. Keine Wäsche darf in diesen Tagen gewaschen und aufgehängt werden, sonst stirbt jemand im Haus.


Bildquelle:www.swedishamericanhist.org

In der Weihenacht sind alle Menschen im Haus, alle Haustiere ebenfalls, kein Mensch, kein Haustier soll in dieser Nacht draußen sein. Mensch und Tier genießen ein besonderes Mahl. Für die Tiere im Stall wird die letzte geweihte Garbe, die zur Ernte eingefahren wurde und extra für diesen Zweck aufgehoben wurde, verfüttert. Auch die Vögel und andere Tiere erhalten in dieser Nacht Extrafutter. Für die Feen, Elfen, das kleine Volk wird eine Schale mit süßem Hirsebrei, Milch und Honig hingestellt. Das Haus wird geputzt und gelüftet, mit Winterräucherung ausgeräuchert, alles soll bereit sein, für die Ankunft des Lichtes. Den Ahnen wird ein besonderes Gedeck aufgelegt und ein Stuhl freigehalten, zur Ehre, derer, die vor uns den Weg gegangen sind.

Die am Mittwintertag frisch geschnittene Mistelzweige werden über der Eingangstür aufgehangen. Ich hänge immer auch ein Glöckchen dazu auf. Kommt ein Mensch in mein Haus, der mir nicht gut gesonnen ist und Unheil in mein Haus bringen könnte, warnt der Ton der Glocke mich schon (nur für mich hörbar ;-) bei seinem Eintritt.

Die Mistelzweige vom Vorjahr werden zurückgelegt unter die Bäume, von denen sie kommen, damit sie zurückkehren können, in den Kreislauf der Natur.

Das Haus wird mit immergrünen Zweigen und Bäumen geschmückt. Der Julbock, meist aus Stroh oder Holz steht im Mittelpunkt, wird ebenfalls reich geschmückt. Er symbolisiert den Kornkönig, the green man, das Versprechen, die Erde wieder zu begrünen im nächsten Sommer.


Die Weihenacht und die folgenden 13 Rauhnächte sind auch Los- oder Orakelnacht. Wünsche werden formuliert und ausgelost, mit Knochen, Karten, Runen usw. wird ein Blick in die Zukunft gesucht. Pläne, Ideen, können in dieser Nacht geboren werden für die beginnende Zeit. Der Keim trägt wieder Kraft zum wachsen aus der Erde in sich, die Kraft erwacht und verspricht neues Leben. Stammt daher der Wunschzettel an das Christkind?

Der Bann des langen Schlafes in der Dunkelheit der Erde ist gebrochen, die Zeit der Freude, des Feierns ist angebrochen. Freunde werden besucht, Geschenke werden gegeben, als Zeichen der Freude, des teilens mit anderen.

Am 6.1. endet diese Zeit in den Alpenregionen mit dem Perchtenlauf. Nach dem Similieprinzip, wird die Percht und damit der Winter ausgetrieben. Vorbei die Zeit der wilden Jagd. Die Menschen verkleiden sich als die Geister aus ihrem Gefolge, die dank dem Einfluß der Kirchen die Menschen ängstigen. Mit Krach, Lärm und bunten Masken wird auf den Straßen getanzt. Ein Vorläufer des Faschings ist hier zu erkennen. Der Ort Berchtesgaden (Garten der Percht) erinnert mit seinem Namen noch an sie.

Bildquelle: http://www.villach.at

So, nun wünsche ich Euch eine wunderschöne Zeit. Viele gute Gedanken und Wünsche und natürlich auch deren Erfüllung. Das Licht wird die Welt wieder erhellen und neues Leben schenken. Seid verschont von Kummer und Sorgen, seid bereit, wieder in den neuen Jahreskreis einzusteigen, wieder zu leben.