frau/mann und die versöhnung

Geschrieben von Lioness.

"während eines wunschrituals riefen zwei männer: dürfen wir uns auch was wünschen? ich sagte: klar, wenn wir fertig sind. wir liessen uns nicht stören.

dann waren wir fertig. also, jetzt könnt ihr euch was wünschen. einen tisch voll essen, sagte der mann. aber das krieg ich ja sowieso nicht. ich sagte: das ist natürlich blöd, wenn du dir etwas wünscht, darfst du es nicht blockieren. er nickte brav. dann waren sie weg. das hatte ich mir gewünscht. unter anderem."

luisa francia in ihrem
weblogeintrag vom
05.05.2005 um 22:43:47

ich weiss, dass sich luisa francia als heilerin und schamanin des weiblichen raumes sieht. von dem her: ok, denn jede/r hat eigene visionen, aufgaben, ... und wenn man die traditionen gewisser urvölker bemüht, waren männer und frauen in ihren bereichen und in der ausübung religiöser riten (manchmal) strikte getrennt. doch ich spüre, wie ich mich ab und an wirklich aufrege, wenn ich bei luisa francia lese. macht es sinn, das andere geschlecht ins lächerliche zu ziehen? (siehe oben im text: "er nickte brav"). ich spüre immer mehr, dass für mich anderes wichtiger ist, als die stete betonung vom "anderssein" (besser? spirituell erhabener? weiser?) der frau. mühe habe ich auch mit der lobpreisung des matriarchats wie es z.b. im neuen heidentum gerne getan wird. muss es immer ein "entweder - oder" geben? dasselbe in grün? muss die vaterreligion christentum nun wieder durch eine mutterreligion ersetzt werden? worauf soll das hinauslaufen? ich finde jede/r sollte das/den/die verehren dürfen nach dem/der das bedürnis da ist. doch muss da immer ein politikum und eine neue geschlechter-spalterei draus gemachtwerden? warum muss auch im spirituellen ausgegrenzt und eingegrenzt werden? warum werden so oft die unterschiede betont, statt das gemeinsame zu unterstreichen, zu suchen, zu definieren, zu wagen?! ... gemeinsame visionen für die zukunft.... überwinden von trennendem, den schmerzen und den klüften. das festhalten an polemik und schuldzuweisungen heilt nichts, weder auf frauenseite noch auf männerseite, sondern erhält die vergangenheit lebendig - und die traumen und narben schmerzend. manchmal nerven mich frauen wie luisa francia und alice schwarzer, die in die immer gleichen wunden stets erinnernd, mahnend ihre zeigefinger stecken.

ich gebe es zu: das ziel der gleichen rechte von mann und frau ist mancherorts noch nicht erreicht (teilweise bei den löhnen, bei den arbeits- und aufstiegsmöglichkeiten und bedingungen im beruf etc. ). zu vieles liegt für die frauen, und vor allem auch für die mütter unter ihnen, noch im argen - und darum braucht es frauen wie diese beiden oben genannten kämpferinnen. doch manchmal, ja immer mehr, bin ich der erhobenen zeigefinger und des schuldzuweisens von weiblicher seite nach der männerseite hin, einfach müde. ich glaube, die zeiten der klüfte, des mahnens, polemisierens und schuldzuweisens sollten vorbei sein. es fühlt sich alt an. wenn man die ganze zeit mit den fingern in der wunde rührt, wird der schmerz nicht kleiner sondern grösser, und die wunde entzündet sich immer mehr. traumata allüberallund kein ende in sicht. hält man nicht mit dem ewigen mahnen an den abgründen und dem schmerz fest? meine meinung ist nicht, dass frauen zu allem ja und amen sagen sollen, sondern dass es gilt, gleiche rechte zu erreichen, ohne jedoch andererseits die gräben zwischen den geschlechtern noch weiter mitpolemik, verachtung und ausgrenzung aufzureissen.

ein stückweit wird es wohl immer ein rätsel bleiben, was das grosse geheimnis sich mit dem entwurf "mann" und was es sich mit dem entwurf "frau" gedacht hat. und es ist ebenfalls eine art rätsel, was nun "typisch weiblich" und was "typisch männlich" sein soll - rein abgesehen von der physischen hülle. vielleicht liegt in allem die hoffnung und die absicht, zu einer einheit zu finden?! heilige hochzeit. unio mystica...

in dem ganzen überdruss der geschlechterthemen, jenseits meiner eigenen ängste, traumata und zerrissenheit, lasse ich mich bewegen, bewegt mich etwas - in mir wächst leise eine neue hoffnung. ganz tief innen wage ich, über alle schranken hinweg zu träumen und zu hoffen verbindung. vereinigung der gegensätze. gemeinsamkeit. frieden. erlösung. einheit, einssein ... visionen einer anderen zukunft ...


überwindung von gegensätzen und polarität.
aufheben von beschränkungen und bindungen.
eine neue energie...

noch vage, noch zögernd, kann ich diesem morgenrot in mir trauen?
mitreissend lebendig fühlt sich das an...
wenn ich mich weiter darauf einlasse...

das neue wagen, schritte ins offene ... hoffnung...

EINSSEIN...

ein mitreissender jubel in mir!

->hier ist der diskussionsthread zu diesem artikel im forum zu finden.
(siehe Archiv)