Gebärmutterentfernung - ein persönlicher Bericht

Geschrieben von Administrator.

Gebärmutterentfernung. Alleine das Wort reicht aus, dass einem die Haare im Nacken hochgehen. Aber was ist,wenn frau vor der Situation steht?
Ich hoffe, dass ich mit meinem sehr persönlichen Bericht einiges von den Ängsten nehmen und ggf. auch ein paar Fragen beantworten kann.

Die Vorgeschichte

Menstruationsprobleme haben wohl die meisten von uns in der einen oder anderen Form schon einmal gehabt.
Für mich persönlich war meine monatliche Blutung meistens eine Katastrophe. Wie habe ich seinerzeit meine Kollegin immer bewundert, ja sogar beneidet. Kommt einen Tag, bleibt einen Tag,geht einen Tag. Traumhaft.

Bei mir waren es immer nur Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen. Begleitet von sehr starken Blutungen und höllischen Kopfschmerzen.
Was habe ich nicht alles versucht. Vor allem jenseits der Chemie.
Es hat alles nichts genutzt.

In den letzten beiden Jahren war es fast nicht mehr auszuhalten. Meine Mens nahm mir langsam jede Form von Lebensfreude und Energie. Ich fing an, mein Frausein zu verabscheuen. Von vier Wochen im Monat war ich vielleicht noch eine Woche beschwerdefrei. Die anderen Wochen bestanden nur noch aus Schmerzen.

Die Diagnose

Im Herbst 2003 fasste ich endlich einmal den Mut, eine neue Ärztin aufzusuchen und ihr meine Beschwerden zu schildern. Sie stellte fest, dass meine Gebärmutter stark vergrößert war und sich mehrere Myome, Polypen und Zysten in ihr befanden. Das wußte ich allerdings auch schon von meiner letzten Untersuchung bei einem anderen Arzt zwei Jahre zuvor. Auch im Hinblick auf meine bisherigen Symptome und den Zustand meiner Gebärmutter nach der letzten Schwangerschaft, gab sie mir sehr vorsichtig zu verstehen, dass es doch ratsam wäre, die Gebärmutter zu entfernen.

Die Gründe für eine Entfernung

Der dringlichste Grund für die Entfernung der Gebärmutter ist und bleibt der Krebs. Es gibt noch sekundäre Gründe für eine Entfernung, die nichts mit Krebs zu tun haben. Dazu gehören u.a.:
- eine starke Vergrößerung der Gebärmutter
- immer wiederkehrende Myome
- übermäßig starke Blutungen und Schmerzen
- hartnäckige Entzündungsherde
Bei diesen sekundären Gründen sollte natürlich erst einmal versucht werden, ob nicht andere medizinische Möglichkeiten bestehen, die die Probleme beheben.

Bei mir trafen alle Gründe zu und ich hatte auch keine große Lust mehr, mich weiterhin zu quälen und mehrmals im Jahr Antibiotika zu schlucken. Also habe ich mich letztendlich für eine Entfernung entschieden.

Der Eingriff

Ich hatte mich für ein Krankenhaus in der Nähe meines Wohnortes entschieden, da die gynäkologische Abteilung dort einen sehr guten Ruf hat. Das Haus bietet einem auch die Möglichkeit, sich vor einem Eingriff vor Ort zu informieren und beraten zu lassen. Da ich meine Informationen schon hatte, habe ich allerdings drauf verzichtet.
Ich wurde nochmals untersucht und die Diagnose meiner Ärztin wurde bestätigt. Ich erfuhr auch, dass meine Ärztin schon im Vorfeld mit den verantwortlichen Ärzten gesprochen hatte, so dass ich nicht alles doppelt und dreifach erzählen oder begründen musste.
Was ich als sehr positiv empfand war, dass ich auch mit meinen Ängsten gut aufgehoben war. Angst vor dem Eingriff an sich und - was in meinem Fall viel schlimmer war - Angst vor der Narkose.
Die Stationsärztin erklärte mir nochmal explizit, wie der Eingriff vorgenommen wurde und ging mit mir zusammen das Informationsblatt durch. Die Gebärmutter sollte vaginal entfernt werden, da diese Art wesentlich schonender wäre und der Heilprozess ebenfalls schneller vonstatten ginge. Es handelt sich dabei um eine kombinierte Methode, bei der die Laparoskopie zum Einsatz kommt. Es wird ein Schnitt im Bauchnabel gemacht.
Dort wird das Laparoskop eingeführt. Der Bauch wird mit Kohlensäuregas aufgepumpt. Über zwei kleine Schnitte über dem Schambein werden die Instrumente eingeführt, mit denen die Operateure arbeiten und die Gebärmutter von den versorgenden Blutgefäßen etc. lösen. Die Gebärmutter selbst wird dann durch die Vagina enfernt. Der Muttermund wird zugenäht. Fertig.
Die Eierstöcke und Eileiter verbleiben im Körper. Somit ist also gewährleistet, dass auch weiterhin Hormone produziert werden und frau ganz normal in die Wechseljahre kommt. Die Patientin kann natürlich auch verlangen, dass Eierstöcke und/oder Eileiter prophylaktisch entfernt werden. Allerdings riet man mir in der Klink von dieser Vorgehensweise ab, da man diese für vollkommen unnötig hält.

Auch mir blieben vor der Operation natürlich nicht die üblichen Unnanehmlichkeiten erspart (Vollrasur, Einlauf etc. bäääh!!). Um meine Panik vor der Operation etwas zu nehmen, nahm ich Bachblüten (Rescue Remedy). Es schien auch gut zu wirken. Auf Anraten von Siggi (schwarzmondfrauen-team) nahm ich ebenfalls Arnica C200. Arnica verhindert, dass zuviel Blut fließt und erleichtert die Wundheilung.
Das OP Team war ausgesprochen nett zu mir. Ich hatte trotz alledem große Angst, aber das versammelte Mannsvolk hielt Händchen, tröstete und tätschelte mir die Wange.

Nach dem Eingriff

Von der Operation hatte ich natürlich nichts mitbekommen. Die Nachwirkungen der Narkose waren auch nicht sehr gravierend. Gegen Mittag war die Operation beendet und abends um 18.00 h lag ich eigentlich recht putzmunter in meinem Bett. Abends musst ich zum erstenmal aufstehen. Eigentlich hätte es gereicht, wenn ich auf der Bettkante sitzengeblieben wäre. Aber ich musste es mir natürlich so richtig geben und bin einmal durchs Zimmer geschlichen. Ich fühlte mich auch fit genug dazu, von daher war es kein Problem. Nur der Katheder störte mich erheblich.

Am nächsten Tag wurde morgens früh noch von der Nachtschwester die Tamponade entfernt. Das war etwas unangenehm. Später kam auch der Katheder weg. Danach lief ich dann nochmal durch das Zimmer. Aber es
war mir schon ein wenig schwummerig. Ich persönlich schiebe das allerdings darauf, dass mein Frühstück aus drögem Zwieback und Fencheltee bestand *ggg*.

Von da an war ich natürlich fast permanent unterwegs. Meist zur Toilette.Zum Glück hatte ich eine nette Zimmergenossen. Sie war 60 Jahre aber unglaublich lustig und temperamentvoll wie ich. Wir hatten unglaublichen Spaß mit einander und lachten, bis uns die Tränen runterliefen. Die Schwestern bestätigten uns, dass wir mit Abstand das munterste Zimmer auf der ganzen Station hatten. Man konnte uns auf dem Gang lachen hören grosses Lachen.
8 Tage nach dem Eingriff durfte ich wieder nach Hause, da alles gut verheilt war und ich auch ziemlich fit war.

Wieder zuhause

Das erste Problem erreichte mich zuhause. Ich wohne im 3. Stock. Ohne Aufzug. Als ich oben ankam, war ich fix und alle. Und es dauerte auch nicht allzulange, dass ich einfach nur schlapp wurde und aufs Sofa musste.
Auch heute, knapp drei Wochen nach dem Eingriff, bin ich immer noch sehr schnell erschöpft und brauche immer noch meine Ruhepausen. Auch merke ich, dass meine Konzentration stellenweise noch zu wünschen übrig lässt. Dinge, die mir immer leicht von der Hand gingen, gehen noch überhaupt nicht oder wenn, nur sehr mühsam. Da ich von Natur aus sehr ungeduldig bin, fällt mir das natürlich doppelt schwer.
Aber es ist schon so, wie mir der Arzt im Krankenhaus noch zum Abschied sagte: "Vergessen Sie nicht, auch wenn Sie am liebsten Bäume ausreißen können, es war ein schwerer Eingriff und sie müssen sich schonen. Hören Sie einfach auf Ihren Körper, der sagt Ihnen schon, was Sie können und was nicht."

Recht hat er. Und daher gönne ich mir einfach den Luxus, mich so richtig zu erholen. Und ich freue mich darauf, dass ich in Zukunft nicht mehr jeden Monat auf dem Zahnfleisch krieche und endlich, endlich wieder meine Kraft und Lebenslust wiederbekomme. Jeden Tag etwas mehr. Schritt für Schritt. Das war es wert.


Falls noch Fragebedarf besteht, so lade ich herzlich zu einer Diskussion in unserem Forum ein.

Eure Bride

verwirrt