Hormone + ärztlicher Rat in Deutschland

Geschrieben von La Loba.

Aktuelles zur Hormon-Ersatz-Therapie


Hormonersatztherapie in den Wechseljahren jetzt auch offiziell eingeschränkt

Das Bundesinstitut für Arzneimittel hat mit Bescheid vom 6.5.2004 die Zulassung von 140 Arzneimitteln zur Hormonersatztherapie in zahlreichen Punkten geändert.

Da das Risiko den therapeutischen Nutzen häufig übersteigt, sollen Hormone nur noch in Ausnahmefällen und für kurze Zeit zur Vorbeugung bei Osteoporose eingesetzt werden. Bereits im August 2003 wurde das Anwendungsgebiet auf die Behandlung schwerer ausgeprägter Wechseljahrsbeschwerden eingeschränkt.

In allen Beipackzetteln wird nun detailliert auf das höhere Risiko für das Auftreten von Brustkrebs, Schlaganfällen, Herzinfarkt und Hirnleistungsstörungen hingewiesen. Damit kommt diese Angelegenheit zu einem vorläufigen Abschluss, nachdem die Risiko-Nutzen-Analyse auf Basis der Studien im Jahr 2002 (Women´s Health Initiative Study, WHI) und 2003 (WHIMS und MWS) negativ ausgegangen war.
Quelle: Pharmazeutische Zeitung 13.5.2004

Bisherige Informationen zu diesem Thema:

Hormon-Ersatz-Therapie

ursprünglicher Beitrag vom 08.12.2003

Diskussion zum Thema im Forum im Archiv zu finden


Dazu haben wir Frauen uns im Chat, per Mail und sowohl gesammelter Arzt- als auch Presseberichten öfters schon ausgetauscht. Dieses Thema unter den verschiedensten Aspekten zu betrachten, will ich hiermit nun beginnen. Weitere Ausführungen werden sicherlich bald folgen.

- 4.5.2004 - ergänzt durch eigene Erfahrungen am Schluss dieses Artikels (inzwischen gepostete Beiträge im Forum)


Heute bringe ich erstmal eine aufschlussreiche Pressemeldung:

Hormontherapie: Zu langer Bremsweg - Der lange Weg wissenschaftlicher Erkenntnisse in den therapeutischen Alltag

oder
Hormone + ärtzlicher Rat in Deutschland
- Ein gutes Beispiel für Unzulänglichkeit -


Bonn (ots) - Der Bremsweg bei der Hormontherapie in Deutschland ist nach Ansicht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) viel zu lang.
Die verhängnisvolle Situation laut WIdO: durch den breiten Einsatz von Hormonkombinationspräparaten bei Frauen in den Wechseljahren ist mit bis zu 25.000 Brustkrebsdiagnosen in Deutschland zu rechnen. Obwohl zwischenzeitlich verschiedene Studien belegen, dass die gesundheitlichen Risiken einer langjährigen Hormoneinnahme den Nutzen überwiegen, wurden im Jahr 2002 nach Erhebungen des WIdO immer noch 877 Millionen Tagesdosen an Hormonen verordnet. Diese Menge reicht aus, um 2,4 Millionen Frauen dauerhaft mit Hormonen zu versorgen. Eine fünf bis zehnjährige Hormontherapie bei diesen Frauen geht nach den Erkenntnissen der "Million-Women"-Studie mit 8.000 bis 25.000 zusätzlichen Brustkrebsdiagnosen einher. "Aktuelle Analysen der Verordnungszahlen und Internetauftritte von Gynäkologen zeigen, dass es in Deutschland viel zu lange dauert, bis die Gynäkologen ihr Verordnungsverhalten auf den aktuellen Stand des medizinischen Wissens bringen", so Dr. Anette Zawinell vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO).

Die dauerhafte Gabe von Hormonen als Ersatz der körpereigenen Hormonproduktion ist bei Frauen in den Wechseljahren mit erheblichen Risiken wie zum Beispiel Brustkrebs verbunden. Dennoch zeigen aktuelle Auswertungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass die Verordnungsentwicklung in Deutschland noch keineswegs der wissenschaftlichen Erkenntnislage entspricht. Lange Zeit galt die Hormongabe als "Standardtherapie" mit Präventionscharakter für Frauen in den Wechseljahren. Doch spätestens im Sommer 2002 galt es therapeutische Empfehlungen neu zu definieren.
So musste ein Arm der WHI-Studie (Women´s Health Initiative) aufgrund der deutlich erhöhten Anzahl an Herzinfarkten, Lungenembolien, Schlaganfällen und Brustkrebserkrankungen bei den mir Hormonen behandelten Frauen vorzeitig abgebrochen werden. Neuere Studien wie zum Beispiel die "Million-Women"-Studie bestätigen die Risiken der Hormontherapie. Auch die aktuellen Therapieempfehlungen schränken den Einsatz von Hormonen in den Wechseljahren stark ein. Die Behandlung sollte im Einzelfall kritisch hinterfragt werden und mit der niedrigsten wirksamen Dosis so kurz wie möglich durchgeführt werden.

Aktuelle Verordnungszahlen zeigen allerdings, dass diese Erkenntnisse in Deutschland nur zögerlich umgesetzt werden. Während im ersten Quartal nach Erscheinen der WHI-Ergebnisse beispielsweise in Kanada die Verschreibungen von Hormonen um 32 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgingen, sanken in Deutschland im gleichen Zeitraum die Hormonverordnungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung gerade einmal um 14 %. So reichte die im Jahr 2002 verordnete Menge an Östrogenen und Gestagenen aus, um rund 2,4 Millionen GKV-versicherte Frauen dauerhaft mit Hormonen zu versorgen.
Allein durch die vielen Verschreibungen der Kombinationspräparate im Jahr 2002 ist nach einer Modellrechnung mit den Ergebnissen der "Million-Women"-Studie je nach Einnahmedauer mit ca. 8.000 bis 25.000 zusätzlichen Brustkrebsfällen zu rechnen. "Vor diesem Hintergrund hat uns der besonders hohe Verordnungsanteil an über 60-jährige Frauen überrascht, die wohl nur noch sehr selten unter starken Wechseljahrsbeschwerden leiden", so Dr. Anette Zawinell vom WIdO.

Der zu lange Weg von der wissenschaftlichen Erkennntis in die Praxis zeigt sich ebenfalls bei der Analyse der Internetseiten von Gynäkologen, die im Auftrag des WIdOs von Prof. Dr. Petra Kolip vom Zentrum für Public Health der Universität Bremen durchgeführt wurde.
Diese systematische Untersuchung aller Webseiten gynäkologischer Arztpraxen in Deutschland kommt zu einem ernüchterndem Ergebnis: Die Mehrzahl der Praxen gibt nach wie vor - trotz gegenteiliger Studienlage - unkritische Empfehlungen zur Hormontherapie. In Einzelfällen werden die aktuellen Befunde zu Risiken gar bagatellisiert.

Die Analyse des aktuellen Verordnungsgeschehens sowie der Bericht zur Analyse der Websites von Gynäkologinnen und Gynäkologen sind ab sofort auf der WIdO-Webseite einsehbar.

ots Originaltext: Wissenschaftliches Institut der AOK Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=32063

Pressekontakt:

Wissenschaftliches Institut der AOK
Kortrijker Straße 1
53177 Bonn
Tel.: 0228-843 393
Fax: 0228-843 144
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!