Ein Arztbericht zur Hormon-Ersatz-Therapie

Geschrieben von La Loba.

Manchmal entwickeln sich die Dinge ziemlich dynamisch:

So stellte mir auf meine Anfrage hin ein befreundeter Arzt mit eigener ganzheitlich/naturheilkundlich ausgerichteter Praxis das folgenden Referat passend zu unserem Thema zum Abdruck in unserem Portal zu Verfügung, wenn der Hinweis auf seine Praxis-Kollegin erfolgt


Hier der Hinweis: Dr. med. MARION JAHNS, Rothgerberbach 6, 50676 Köln, Telefon 0221-2403331, Leiterin und verantwortliche Ärztin von GiK "Gesund ist Klasse" http://www.g-i-k.de

med. KAI LÜHR – Dr. med. LEO BALZER - med. MARION JAHNS
GEMEINSAMES STATEMENT ZUM THEMA WECHSELJAHRE
Hormonersatz-Therapien versprechen Gesundheit und Schönheit bis zum Tod. Doch mittlerweile gerät diese scheinbare Heilmethode auch in die ärztliche Kritik. Gerade bei Hormonkombinationen scheint das höhere Risiko den Nutzen aufzuheben. Naturidentische Alternativen sind gefragt.

Unsterblichkeit wird Frauen bisher zwar noch nicht von der Medizin versprochen, aber Jugend bis zum Tod. Glaubt man den meisten männlichen Hormonspezialisten, so schützen Östrogene Frauen vor Herzinfarkt, Alzheimer und Knochenschwund. Sie werden als Glückspillen für die älter werdende Frau gefeiert, die deren Wohlbefinden und sexuelle Lust steigern, für glatte Haut und glänzende Haare sorgen und den Alterungsprozess aufhalten könnten. "Deshalb", so die Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ist für jede Frau in und nach den Wechseljahren, unabhängig davon, ob sie unter Beschwerden leidet oder nicht, "eine Hormonsubstitution als langfristige Prävention in Erwägung zu ziehen."

Problematisch bei diesem pauschalen Vorgehen ist jedoch die Verallgemeinerung des klinischen Bildes, das Fehlen von Vorschlägen alternativer Verfahren. Ausserdem müssen regelmässig Blutbildkontrollen durchgeführt werden, damit Hormongaben auch im Zielbereich liegen!

Frauen als „Mangelwesen"

Heute wird die "Frau ab Mitte 40 von der Schulmedizin als Patientin betrachtet mit Depressionen, Schweiß-ausbrüchen, labil und schlafgestört", so die kanadische Medizinanthropologin Elisabeth Lock im Herbst 2001 auf der Internationalen Frauenuniversität in Hannover. Dieses weit verbreitete schlechte Image der Wechseljahre beeinflusst das Befinden der Frauen in der Lebensmitte. Studien zeigen, dass Frauen, die bereits im Vorfeld Angst vor Beschwerden und dem Älterwerden äußerten, später auch viel häufiger an Hitzewallungen, Schweiß-ausbrüchen oder anderen vegetativen Störungen litten. Die renommierte Anthropologin Lock ist überzeugt, dass die kulturelle und soziale Wertschätzung, die eine älter werdende Frau erfährt, das Erleben der Wechseljahre prägt. So kennen Japanerinnen und Indio-Frauen aus Mexiko, die mit dem Älterwerden an Ansehen und teilweise auch an Bewegungsfreiheit dazu gewinnen, kaum Hitzewallungen, Schlafstörungen oder psychische Labilität. Und wenn Japanerinnen über Symptome klagten, waren es meist Verspannungen im Nacken und Kopfschmerzen.

Gerade hier muss die Frage erlaubt sein, ob nicht auch andere Ernährungsgewohnheiten in anderen Ländern zu einem besseren Befinden führen. Alleine die Menge der täglichen Essensmenge sollte sich um 30 Prozent verringern, wenn die Periode ausbleibt!

Wechseljahre sind vielfältig

Frauen erleben diese Jahre des Wechsels vielfältig. Körperliche Veränderungen sind verbunden mit einer sozialen Umorientierung. Ein Lebenszyklus geht zu Ende, die Kinder, falls vorhanden, verlassen das Haus, die Partnerbeziehung muss neu definiert werden, und die Frage, wie die nächsten Lebensjahrzehnte gestaltet werden wollen, beschäftigt sie. "Dieses Gesamtpaket beunruhigt Frauen", weiß die Bremer Frauenärztin Edith Bauer, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus Erfahrung.

Im Übrigen leiden längst nicht alle Frauen an den Wechseljahren. Nur 26 Prozent klagen über starke körperliche Einschränkungen, die auf die Hormonumstellung zurückzuführen sind, die Mehrzahl der Frauen erleben ent-weder gar keine oder nur leichte Beschwerden. Allerdings - so berichtet die Bremer Soziologin Iris Bleyer-Rex, die Gruppen für Frauen in der Lebensmitte leitet - nehme der soziale Druck auch unter den Frauen zu. "Immer fit und aktiv zu sein, ist das Ideal; plötzlich auftauchende rote Gesichtsfärbungen oder Schweißausbrüche werden immer weniger toleriert. Sie entsprechen nicht dem Bild der modernen Frau".

Wichtig ist aber nicht, „modern zu sein“. Wichtig ist, gesund zu sein! Die Wechseljahresbeschwerden können mit einfachen Massnahmen deutlich reduziert werden. Neben niedrigdosierten Hormongaben, die dem physiologischen Muster entsprechen und regelmässig kontrolliert werden, stehen naturheilkundliche Therapien zur Diskussion.

Hohe Erwartungen an Östrogene

Die Erwartungen vieler Frauen an die Hormonersatztherapie sind hoch. "In erster Linie wollen sie damit Hitzewallungen, Stimmungstiefs, Erschöpfungszuständen oder Schlafstörungen vorbeugen", fand Beate Schultz-Zehden vom Institut für medizinische Psychologie der FU Berlin in ihrer Studie heraus, in deren Rahmen sie 1.038 Frauen zwischen 50 und 70 befragt hat.

"Was der Gynäkologe empfiehlt, ist für viele Frauen gerade in der Hormonersatztherapie Ausschlag gebend", so Schultz-Zehden. Dabei zückten männliche Gynäkologen bedeutend häufiger den Rezeptblock als ihre weiblichen Kolleginnen. Studienteilnehmerinnen berichteten, dass ihnen ihr Frauenarzt mit Blick auf ihr Geburtsdatum die Hormonpillen geradezu aufgedrängt habe. Alternativen zur Hormonsubstitution wie kalziumreiche Ernährung, pflanzliche Präparate, Veränderungen des Lebensstils oder körperliche Aktivität werden dagegen nur selten empfohlen

Als problematisch sehen wir hier, dass selten der gesamte Körper mit seinen vielfältigen Interaktionen berücksichtigt wird. Begleitkrankheiten, notwendige Medikamente, Ernährungsgewohnheiten werden bei der Verschreibung derartiger Präparate oft außer Acht gelassen. Zumindest darf die Frage gestellt werden, ob Neben- und Wechselwirkungen nicht auch zur schlechten Verträglichkeit einzelner Hormonpräparate führen.

Langfristiger Nutzen kaum erwiesen

Welchen langfristigen Nutzen oder aber welche Schäden die Hormonersatztherapie als Dauermedikation zur Folge hat, weiß im Moment niemand genau. Es fehlen kontrollierte Studien. Erste Ergebnisse werden erst 2005 von der US-amerikanischen Women Health Initiative erwartet. Doch drosseln bereits jüngste Studienergebnisse die hohen Erwartungen: So konnte die erste kontrollierte Studie keinen positiven Effekt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen finden. Außerdem sind vor kurzem amerikanische Studienteilnehmerinnen vor einem erhöhten Schlaganfallrisiko gewarnt worden. Zusätzlich verdichten sich Hinweise, dass das Risiko für Brustkrebs nach mehrjähriger Einnahme von Östrogen, vor allem Östrogen-Gestagen-Mix steigt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel will die Pharmahersteller jetzt verpflichten, einen dementsprechenden Warnhinweis in den Beipackzettel aufzunehmen.

Auch die deutsche Menopausengesellschaft, die jahrelang die Hormonersatztherapie als Heilmethode propagiert hatte, kommt in einer gerade veröffentlichten Stellungnahme zu einer eher ernüchternden Zwischenbilanz. Solange der präventive Nutzen der Hormonersatztherapie sowie die Erhöhung des Brustkrebsrisikos so wenig geklärt sei, rät sie den Kollegen zu einer vorsichtigeren Verschreibungspraxis.

Endlich kommt auch die Schulmedizin an ihre Grenzen. Es hat lange gedauert, bis die unkritisch verordnete Hormonersatztherapie in Frage gestellt wurde. Wir sehen – wie viele Kritiker der bisherigen Praxis – das Problem vor allem in der unkontrollierten Verschreibung. Nur wenige Gynäkologen haben sich leider durch regelmäßige Blutentnahmen von den Hormonspiegeln der Patientinnen überzeugt. Dieses Vorgehen ist auch gemäß des weltweit bekannten Endokrinologen Dr. Thierry Hertoghe aus Belgien als unmedizinisch abzulehnen. Es wäre das gleiche, einen Patienten mit Bluthochdruck medikamentös einzustellen und nie wieder den Blutdruck zu kontrollieren.

Die Alternative

Keine Therapie ohne Kontrolle! Sowohl für die von uns propagierte niedrigstdosierte Hormonersatztherapie als auch für naturheilkundliche, nebenwirkungsfreie Alternativen sind in den letzten Jahren vielfältige Kontrolluntersuchungen entwickelt worden. Wir wollen ja gemeinsam ein Ziel erreichen, das GESUNDHEIT heißt. Ob Blutkontrolle, körperliche Untersuchungen, Ernährungsanalysen oder Multifunktionstests wie der Age-Scan zeigen bei gut eingestellten Patienten deutliche Verbesserungen der Gesamtsituation. Und viel wichtiger: Neben dem Befund verbessert sich auch das Befinden überdurchschnittlich.

Pauschale Rezepte sind nicht möglich, da jeder Mensch anders lebt. Die individuelle Beurteilung kann - neben der wichtigen gynäkologischen Untersuchung und Beratung - nur der fachlich kompetente Ganzheitsmediziner nach Laboranalyse und medizinischer Untersuchung fällen.
Besprechen Sie daher mit Ihrem Arzt die richtige Regenerationsmöglichkeit physiologischer Organfunktionen.