Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft

Geschrieben von Sigrid.

Auswirkungen von Alkohol in der Schwangerschaft!


Der 4-jährige Tobias* steht auf der Entwicklungsstufe eines 2-jährigen Kindes und kann nur 2-Wort-Sätze reden. Er leidet unter Schmerzunempfindlichkeit. Dass eine Biene ihn in die Lippe gestochen hat bemerkte die Pflegemutter zum Glück rechtzeitig...


Die 3-jährige Tanja* musste im letzten Jahr operiert werden, sie bekam ein Cochlea-Implantat, damit sie hören lernen kann. Sie ist von Geburt an taub. Außerdem benötigt sie Beinorthesen um überhaupt laufen zu können und eine Operation wegen des Herzfehlers steht noch aus. An ihrem Gesicht kann jeder erkennen, dass sie behindert ist...

Die 7-jährige Anna* kann kaum ihren Schulranzen tragen, sie ist zu klein für ihr Alter und häufig müde, weil sie in der Schule überfordert ist und sich nur schwer konzentrieren kann....

Der 8-jährige Dennis* war in seinem Leben 14 mal in einem Krankenhaus, er ist sehr infektanfällig, sein Körper ist nur sehr schwer in der Lage, normale Nahrung bei sich zu behalten und zu verdauen. Als Baby hat er nur überlebt, weil seine Pflegemutter ihn rund um die Uhr, bis zur Erschöpfung, betreut hat. Er hat keinen geregelten Wach- und Schlafrhythmus, er empfindet keine Schmerzen, dass er sich einen Nagel in den Fuß getreten hat, merkte die Mutter erst, als das Blut aus den Gummistiefeln quoll....

Die 14-jährige Nadine* kann ‚Rechts’ und ‚Links’ nicht unterscheiden. Um Rechenaufgaben lösen zu können benötigt sie noch ihre Finger weil sie sich die Zahlen anders nicht vorstellen kann. Sie wurde mit einer Gaumenspalte geboren und musste über eine Magensonde ernährt werden „Omagesicht. Du bist zu klein. Du bist zu dünn. Du kannst nicht richtig reden.“ Dies muss sie sich häufig von den Mitschülern anhören....

Der 16-jährige Carsten* ist aggressiv und äußerst impulsiv, er muss zeitweise in einer psychologische Therapieeinrichtung untergebracht werden...

Nicole* ,die hübsche 16-jährige, hatte von jeher Probleme sich an Regeln zu halten. Sie folgt ihren Impulsen und handelt sich dadurch verständlicherweise enorme Probleme ein, es fällt ihr sehr schwer, einem Gespräch länger als 10 – 15 Minuten konzentriert zu folgen, danach kommt sie durcheinander und weiß nicht mehr, was vor wenigen Minuten besprochen wurde. Mit 16 bricht sie aus dem Familienverband aus und gerät in die Punkerszene. Dort lässt sie sich kritiklos mit Männern ein, raucht und trinkt gedankenlos mit. Die Schule hat sie nicht mehr besucht, nach einer Weile wird sie schwanger, weil sie dachte, dass ihr das nicht passieren könne...

Der 17-jährige Daniel* hat seine Ausbildungsstelle verloren. Es fällt ihm schwer, die Anweisungen seines Vorgesetzten zu befolgen............

Die 56-jährige Doris* wundert sich immer wieder, warum sie bei ihren Mitmenschen so aneckt......

Was soll diese Ansammlung von ‚Lebensbildern’?
Das ist einfach, alle haben eine Gemeinsamkeit: Ihre Mutter hat in der Schwangerschaft Alkohol getrunken! Sie leiden alle am fetalen Alkoholsyndrom (FAS) bzw. fetalen Alkoholeffekten, der frühere Begriff ist geläufiger: Alkoholembryopathie

‚Wie kann das denn sein,’ fragen Sie sich vielleicht ‚mein Gynäkologe hat mir sogar geraten, ab und zu ein Glas Sekt zu trinken, wegen des Kreislaufs, ein Glas würde nichts schaden?’
Das mag durchaus sein, dass Ihnen das der Arzt geraten hat, aber wo steht geschrieben, dass der Arzt unfehlbar ist?

Seit 30 Jahren ist FASD bekannt und trotzdem wissen die Wenigsten, welche Auswirkungen das nun konkret auf das Leben des Kindes hat. Wer weiß denn schon, dass ein einziges durchzechtes Wochenende ausreicht, um dem Kind dauerhaft zu schaden?

„Das wächst sich aus!“ hören viele Pflege- oder Adoptivmütter. „Geben Sie dem Kind viel Liebe und Geborgenheit, dann wird das besser!“ Aus diesem Grunde machen sich viele Eltern, die solch ein geschädigtes Kind betreuen, unendliche Vorwürfe, was sie denn nun falsch machen, weil sie einfach keine oder nur geringe Fortschritte in der Entwicklung ihres Kindes erkennen können. Sie laufen von Arzt zu Arzt und wissen nicht, woran das liegt. Tatsache ist, dass die Kinder gar nichts dafür können. Schließlich und endlich müssen die Eltern sich noch anhören: „Sie sind erziehungsunfähig.“
Durch Langzeitstudien in aller Welt sind Ärzte, wie z.B. Prof. Dr. H.-L. Spohr , DRK-Kliniken Berlin, zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schäden, die am Körper und vor allem im Gehirn eines Kindes entstehen, von Dauer sind.

Prof. Spohr erklärte auf einer FAS - Fachtagung in Berlin: „Alkohol ist ein Gift welches in der Schwangerschaft wirksam ist und eine Missbildung bzw. Schädigung erzeugt. Es ist deshalb so gefährlich, weil der Fetus, das noch nicht geborene Leben so unreif ist und in vielem noch nicht die Abwehrmechanismen und Stoffwechselfunktionen und Fähigkeiten besitzt, die ein erwachsener Mensch hat. Eine sichere Alkoholgrenze, bei der keine Schädigungen auftreten, gibt es nicht!“

Welche Schäden verursacht Alkohol in der Schwangerschaft?


Geistige Retardierung bis geistige Behinderung, Minderwuchs und Untergewicht,
Kleinköpfigkeit, Sprachstörungen, Hyperaktivität, Gesichtsveränderungen, Genitalfehlbildung, Augenfehlbildung, Muskelhypertonie, Herzfehler
Verhaltensstörungen (Autismus, Aggressivität, gestörtes Sozialverhalten) und vieles mehr!

Auf 1000 Geburten in Deutschland sind 2 FASD-Kinder zu erwarten.
Dazu Prof. Spohr: [B]„Das wäre die häufigste Inzidenz für eine angeborene mentale Retardierung. Deutlich höher als das Down-Syndrom und die Spina bifida. Das Down-Syndrom hat eine Inzidenz von 1 : 833.“[/B]Zum Schluss seines Vortrages meinte Prof. Spohr bewegt: [B]„Das unselbständige Leben dieser Kinder ist für mich eigentlich das Dramatischste denn: Ein Kind, das mit FAS oder FAE geboren wird, hat bleibende körperliche, mentale und psychiatrische Schäden und bedarf unserer besonderen Aufmerksamkeit und Fürsorge!.“[/B]

Um Aufklärungsarbeit, Hilfe und Unterstützung für Betroffene zu leisten wurde der Verein ‚FASworld Deutschland’ gegründet.
Kontaktadresse: FASworld Deutschland, Ann Gibson, Holliner Weg 4, 24244 Felm, Telefon: 04346/4629, mailto: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Homepage: http://www.fasworld.de

Sigrid R., März 2003
*Der Name wurde geändert